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| Islamische Revolution |
Islamische RevolutionAls Islamische Revolution bezeichnet man eine politische Systemtransformation hin zu einem Islamischen Staat.
Die bekannteste Islamische Revolution fand 1979 im Iran statt.
Dort wurde die autoritäre Herrschaft des Schah Reza Pahlewi von einer jungen, revolutionären Bewegung weggespült, die in Ayatollah Khomeini ihren Hoffnungsträger sah, aber bald enttäuscht wurde.
Seither gab es immer wieder Versuche in anderen islamischen Staaten theokratische Herrschaftsformen zu implementieren. Diese waren aber meist nicht Ergebnis einer Revolution, sondern von Kriegen (Afghanistan ab 1995), Bürgerkriegen (Algerien ab 1992) oder evolutionären Systemtransformationen. Solche „schleichenden Islamisierungen“ sind in vielen islamischen Staaten zu beobachten, seit der sog. Politische Islam in der islamischen Welt zunehmend Anhänger findet.
Ziel einer Islamischen Revolution ist die Errichtung eines „Gottesstaates“, indem islamischen Geistlichen auch ein großer Anteil weltlicher Macht zukommt. Die Islamische Revolution strebt auch und vor allem einen möglichen Revolutionsexport in andere islamische Länder an (Im Falle Irans z.B. 1979 nach Afghanistan, später nach Libanon und Irak).
siehe auch:
- Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq
Kategorie:Islam
Kategorie:Revolution
Kategorie:Iran
SchahSchah (m.) ist Persisch und bedeutet König. Daraus abgeleitet sind in den folgenden Persisch-sprachigen Regionen:
- der persische Herrschertitel. Er wurde im heutigen Iran seit dem 16. Jahrhundert bis zur Abschaffung der Monarchie 1979 verwendet ("Der Schah von Persien").
- der afghanische Herrschertitel im 18. und frühen 19. Jahrhundert und wiederum im 20. Jahrhundert wurde der "Schah"-Titel (von 1926 bis zum Sturz im Jahre 1973) geführt.
Die Steigerung des Wortes ist Schah-e Schahan, König der Könige, eine Tradition, die auf die Dynastien der Achämeniden, Parther und Sassaniden zurückzuführen ist, heute aber nicht mehr genutzt wird.
Auch das Schachspiel hat seinen Namen von Schah. Schachmatt wird zurückgeführt auf den Begriff Schah mat (der König ist tot).
Siehe auch
- Reza Schah Pahlavi
- Mohammad Reza Pahlavi
- Operation Ajax
Kategorie:Adelstitel
ja:シャー
ko:샤
Reza PahlewiSeine Kaiserliche Majestät Mohammad Reza Pahlavi (persisch: محمد رضا شاه پهلوی []; - 26. Oktober 1919 in Teheran; † 27. Juli 1980 in Kairo) war Schah des Iran und letzter Herrscher auf dem Pfauenthron.
Pfauenthron
Anfänge
Als junger Mann im Schweizer Internat Le Rosey erzogen, kehrte er 1936 in den Iran zurück und trat 1938 in die iranische Armee ein.
Nach der erzwungenen Abdankung seines Vaters Reza Schah wurde Mohammad Reza 1941 zum Schah des Iran, dem zweiten König der Pahlavi-Dynastie, ernannt. In der Anfangszeit seiner Regentschaft gewann der junge Schah eine große Popularität durch die erfolgreiche Zurückdrängung der Sowjets aus den Nordprovinzen des Iran (Aserbaidschan) und der Zerschlagung der kurdischen Republik Mahabad. Mohammad Reza Schah versuchte im Gegensatz zu seinem Vater einen Kompromisskurs mit den Geistlichen des Landes zu fahren, zum Beispiel indem er das von seinem Vater erlassene Schleierverbot abmilderte und den Schleier tolerierte.
Erste Konflikte
Die zunehmende Öffnung des Landes führte zu der Entstehung einer nationalen Bewegung, die in die Regierung Mohammad Mossadegh 1951 – 53 mündete. Sie zwang den Schah ins erste Exil, nachdem dieser versuchte, Dr. Mossadegh als Ministerpräsidenten zu entlassen. Nach zahlreichen Protesten und Demonstrationen im ganzen Land musste der Schah fliehen. Mossadegh gefährdete aufgrund seiner Unterstützung in der kommunistischen Tudeh-Partei und der Verstaatlichung der nationalen Erdölindustrie die Interessen internationaler Konsortien und wurde daher durch die Operation Ajax gestürzt, eine Aktion der US-Regierung unter Eisenhower mit Hilfe der CIA. Die Royalisten unter dem Militär wurden gezielt unterstützt und eine Woche nach dem Exil des Schahs in Italien war das Ende der Regierung Mossadegh besiegelt. Mossadegh wurde verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Reza Schah konnte wieder zurückkehren.
In der nachfolgenden Zeit war Schah Reza Pahlewi einer der brutalsten Autokraten der Nachkriegszeit – und zugleich Amerikas treuester Vasall im Nahen Osten. Der Schah herrschte mit Sondergesetzen und unterdrückte Parteien und Bewegungen – 1953 – 57 In dieser Zeit wurden Anhänger der neuen nationale Bewegungen und Parteien wie die Tudeh-Partei verhaftet und teilweise hingerichtet. Die Geheimpolizei Savak, 1957 mithilfe der USA aufgebaut, wurde zum berüchtigten Instrument eines diktatorischen Regimes, das jeden Widerstand brutal unterdrückte.
Wirtschaftsprogramme
Der Schah wollte den Iran zu einer Großmacht formen und konnte dabei auf Wirtschafts- und Militärhilfe der USA bauen - besonders nach dem Umsturz im Irak am 14. Juli 1958 als Oberst Abdel Karim Kassem König Feisal II stürzte und sich Moskau gegenüber offen zeigte. Dennoch zeitigte das autokratische und korrupte Regime kaum Erfolge: Es herrschte schwelendes Elend, Hungerlöhne und soziale Verwahrlosung. Die Hilfsgelder aus Washington dienten nur der Bereicherung der brutalen, korrupten Elite. Der Großteil der Bevölkerung lebte unter erbärmlichen Bedingungen auf dem Land und in den wachsenden Slums der Vorstädte. Die westliche Öffentlichkeit zeigte sich je nach politischer Denkrichtung fasziniert vom Prunk eines märchenhaften Königshauses oder abgestoßen vom Regime eines blutsaugenden Tyrannen. In Teherans Presse hingegen tauchten erstmals wieder Bilder des gestürzten Premiers Mossadegh auf. Das Regime reagierte mit Härte und schlug jeden Widerstand gnadenlos nieder.
1963 setzte der Schah aufgrund des wachsenden Drucks ein Programm, die Weiße Revolution, zur Umverteilung des Landes der Großgrundbesitzer mittels eines Referendums durch. Dieses Programm muss differenziert betrachtet werden. Zwar entstand durch das Programm eine breitere Mittelschicht, jedoch konnte es die Extreme von Reich und Arm nicht ausgleichen. Die unter Mossadegh erfolgte Verstaatlichung der Ölindustrie wurde nach der Rückkehr aus dem ersten Exil aufgehoben. Als "Gegenleistung" für die Operation Ajax übernahm Großbritannien (British Petroleum) die komplette Erdöl-Förderung des Irans. So beteiligte sich der Iran 1973 auch nicht am Embargo der OPEC und konnte dadurch dessen Folgen für den Westen auch durchaus abmildern.
Militärische Aufrüstung
Der Schah hatte die Vorstellung, Iran zur vorherrschenden Militärmacht im Vorderasien aufzubauen und setzte die Gelder aus dem Ölhandel verstärkt für dieses Ziel ein. Dadurch wurden die Bindungen an die Vereinigten Staaten enger. So wurde beispielsweise der Aufbau der Streitkräfte größtenteils durch amerikanische Militärberater durchgeführt, deren Zahl in den 70er Jahren auf 25.000 geschätzt wurde. Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson unterstützte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges die Aufrüstung des Iran mit allen Mitteln. Richard Nixon und sein Sicherheitsberater Henry Kissinger reisten im Mai 1972 auf dem Rückweg vom Moskauer Gipfel nach Teheran und die totale Loyalität des Kaisers bewogen Kissinger, Reza Pahlewi als "Säule der Stabilität in dieser unruhigen und wichtigen Region" zu loben. Exorbitante Militärausgaben ruinierten allerdings die Staatsfinanzen dieser "Säule der Stabilität" und die Inflationsrate schnellte nach oben.
Innere Widerstände
Im Inneren wurde die Politik des Vaters Säkularisierung des Rechts (zum Beispiel gleiche Rechte für Frauen und Männer) und die Trennung von Staat und Religion in den wesentlichsten Grundzügen weitergeführt. Die demonstrative Nähe zur USA mit deren Unterstützung der Schah aus seinem ersten Exil überhaupt erst wieder zurückkehren konnte und der damit verbundene militante Antikommunismus seines Regimes führte zu einer zumindest vordergründig westorientierten Haltung in gesellschaftlichen Fragen. Der Schah versuchte eine weitreichende Trennung von Staat und Religion durch die Einführung des neuen Kalenders (1976), der als Anfangspunkt der Zeitrechnung nicht die Offenbarung Muhammads, sondern die Krönung des persischen Königs Kyros hatte. Zu den dauerhaften Leistungen des Schah zählen die Stärkung der Zentralregierung, die Ansiedlung von Industrie, die Schaffung einer modernen Infrastruktur sowie eine relativ liberale Gesellschaftspolitik und eine großangelegte Modernisierung des Landes. Für die breite Bevölkerung bot diese westliche Haltung allerdings kaum Vorteile, sie diente vielmehr der Unterstützung der Pläne des Schah, eine militärische Großmacht zu werden und den Reichtum der persischen Eliten zu erweitern. Eine wichtige und unumstrittene Rolle spielte dabei auch der Geheimdienst (SAVAK), der sich zu einem grausamen Unterdrückungsinstrument entwicklete.
Der amerikanische Diplomat George Ball berichtete am 11. Dezember 1978 über den Schah an den damaligen US-Präsidenten Carter: "Wir haben den Schah zu dem gemacht, was er nun ist. Wir haben seine Vorliebe für grandiose weltpolitische Entwürfe genährt, wir haben seine Fantasien beflügelt. Wir haben ihn so sehr zum Pfeiler unserer Interessen im Nahen Osten gemacht, dass wir von ihm abhängig sind. Jetzt zerfällt sein Regime unter dem Druck der aufgezwungenen Modernisierung, und wir haben keinerlei Alternative."
Ende
Carter begann allmählich vom offenkundig unfähigen iranischen Potentaten abzurücken. Konzessionen an die Opposition in letzter Stunde nützten nichts mehr: Der Schah versuchte im letzten Jahr seiner Regentschaft 1978 durch Auswechseln der Premierminister und zum Schluss durch die Einsetzung des Sozialdemokraten Shahpur Bakhtiyar, seine Regentschaft noch zu retten. Die Pahlewi-Dynastie war am Ende. Mit den Worten "Ich bin müde und brauche eine Pause" verließ Reza Pahlewi am Mittag des 16. Januar 1979 über den Teheraner Flughafen das Land für immer.
Nach einer Odyssee über Ägypten, Marokko, die Bahamas und Mexiko kam der krebskranke Schah im Oktober 1979 in New York an, um sich im Cornell Medical Center des New York Hospital behandeln zu lassen. Als dies im Iran bekannt wurde, wurde die Propaganda laut, die USA gewährten dem »kriminellen Schah« Zuflucht.
Ehen
Seine erste Ehe wurde aufgrund politischer Erwägungen mit der ägyptischen Prinzessin Fawzia ( - 5. November 1921) 1939 geschlossen. Dieser Ehe entsprang die Tochter Shahnaz ( - 27. Oktober 1940), jedoch kein männlicher Thronfolger. Daher wurde die Ehe 1948 wieder aufgelöst. Shahnaz' Tochter, seine Enkelin Mahnas, wurde 1959 geboren.
Die zweite Ehe wurde 1951 mit Soraya Esfandiary Bakhtiari ( - 22. Juni 1932; † 25. Oktober 2001) geschlossen und im März 1958 wegen Kinderlosigkeit aufgelöst.
Der dritten Ehe mit Farah Dibah ( - 15. Oktober 1938), Hochzeit am 21. Dezember 1959, entstammen die Kinder:
- Cyrus Reza Pahlavi ( - 31. Oktober 1960)
- Masumeh Farahnaz Pahlavi ( - 11. März 1963)
- Ali-Reza Pahlavi ( - 28. April 1966)
- Leila Pahlavi ( - 27. März 1970; † 10. Juni 2001 in London – Selbsttötung durch Tabletten)
An seinem 48. Geburtstag am 26. Oktober 1967 krönt er sich selbst zum Kaiser. Diese märchenhafte Kaiserkrönung erregt weltweit Aufsehen.
Mit dem Besuch des Schahs in West-Berlin und der Tötung des Studenten Benno Ohnesorg bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs setzt eine Intensivierung der Studentenbewegung (APO) ein.
Literatur
- Berliner Institut für Vergleichende Sozialforschung (Hrsg.): Religion und Politik im Iran. (Mardom nãmeh. Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Orients.) Frankfurt a.M. 1981 ISBN 3-8108-0175-5
- Franz Burda (Hrsg.): Krönung in Teheran. Ein Bildband über Persiens Kaiserpaar. Burda, Offenburg 1967 (Sonderdruck der BUNTEN Illustrierten)
- Bahmãn Nirumand: Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der Freien Welt. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1967 (rororo, 945)
- Mohammed Reza Pahlavi: Im Dienst meines Landes. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1961
- Mahmoud Rashad: Iran. 1. Aufl. DuMont Buchverlag, Köln 1998 ISBN 3-7701-3385-4
- Claudia Stodte: Iran. Edition Temmen, 1999 ISBN 3-86108-860-6
- Farah Diba-Pahlavi: Erinnerungen. Februar 2004, ISBN 3785721579
Siehe auch
- Geschichte des Iran
Weblinks
-
- [http://www.iranchamber.com/history/mohammad_rezashah/mohammad_rezashah.php History of Iran: Mohammad Reza Shah Pahlavi] (englisch)
- [http://www.iranian.com/History/2005/January/Shah/index.html Story of Mohammad Reza Shah] (englisch)
Pahlavi, Mohammad Reza
Pahlavi, Mohammad Reza
Pahlavi, Mohammad Reza
Pahlavi, Mohammad Reza
Pahlavi, Mohammad Reza
ja:モハンマド・レザー・パフラヴィー
ko:모하마드 레자 팔레비
AyatollahAjatollah bzw. Ayatollah (persisch آيت الله, arabisch آية الله ayatu 'llah - "Zeichen Gottes") ist ein hoher religiöser Titel des zwölfer-schiitischen (imamitischen) Islams. Er wurde erstmals für al-Hasan ibn Yusuf ibn Ali ibn al-Muchtar al-Hilli (1250 - 1325), genannt al-'Allama (der Hochgelehrte), verwendet, aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allgemein üblich.
Ein Ajatollah hat jahrzehntelange theologische Studien hinter sich und steht in der schiitischen Hierarchie über einem Molla (auch Mulla) und Hodschatoleslam, der eine Art Ayatollah-Anwärter ist.
Ein Ajatollah kann neben anderen Funktionen auch Glaubensgutachten für Mollas erstellen.
Der Titel wird offiziell nur im Iran verliehen, aber nicht im arabischen Verbreitungsgebiet der Schia (z.B. Libanon, Irak, Bahrain). Sunniten kennen das Amt des Ajatollah nicht. Besonders anerkannte Gelehrte werden auch Großajatollah genannt.
Im Januar 1970 hielt Großajatollah Chomeini in Nadschaf eine Reihe von Vorlesungen, die als Buch unter dem Titel Der islamische Staat erschienen, das unter seinem Untertitel Die Herrschaft des Rechtsgelehrten (ولايت فقيه welāyat-e faqīh) bekannt wurde. Er stellte sich darin gegen die vorherrschende quietistische Haltung der schiitischen Geistlichen in politischen Fragen und schuf das theoretische Fundament für die Verfassung der Islamischen Republik Iran, in der Ajatollahs in Vertretung des verborgenen Imams die politische Herrschaft ausüben.
Siehe auch: Schari'a (islamisches Recht)
Literatur
- Heinz Halm: Die Schia. Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03136-9
- Ruhollah Musawi Chomeini: Der islamische Staat. Aus dem Pers. übers. und hrsg. von Nader Hassan und Ilse Itscherenska, Berlin 1983, ISBN 3-922968-21-X
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th:อายะตุลลอหฺ
KhomeiniAjatollah Ruhollah Musawi Chomeini Hindi (auch Khomeini; Persisch: آیتالله روحالله خمینی []) ( - wahrscheinlich 17. Mai 1900 in Chomein; † 3. Juni 1989 in Teheran) war ein schiitischer Geistlicher und der politische und spirituelle Führer der islamischen Revolution im Iran von 1978-1979. Mit ihr stürzte er aus dem französischen Exil die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi, dem damaligen Schah des Iran. Chomeini gilt als der Gründer der Islamischen Republik im Iran. Er regierte diese bis zu seinem Tod 1989.
Leben
Er wurde wahrscheinlich 1900 im Ort Chomein als Ruhollah Mousavi (Persisch: روحالله موسوی []) geboren. Chomeinis genaues Geburtsdatum ist umstritten. Es gibt auch Quellen, die angeben, er sei 1901 oder 1902 geboren. Andere Quellen behaupten, er sei am 24. September 1902 auf die Welt gekommen.
Die Jahre im Exil
In den 1950er Jahren wurde Chomeini zum Ayatollah ernannt. 1964 war er aufgrund seiner ständigen regimekritischen Äußerungen und Beteiligung am Aufstand von 1963 gezwungen, das Land zu verlassen. Er ging zunächst ins türkische Exil. Von dort floh er 1965 nach Nadschaf, einem bekannten Heiligtum der Schiiten im Irak. Dort blieb er bis 1978 und organisierte Teile der iranischen Opposition, bis er von der Regierung Saddam Husseins nach Neauphle-le-Chateau in Frankreich exiliert wurde.
Die Revolution und die Errichtung der Islamischen Republik
Von Paris kehrte er am 1. Februar 1979, während der Iranischen Revolution, wieder in seine Heimat zurück. Am 11. Februar übernahm er die Macht im Iran und gründete die "Islamische Republik Iran", eine auf dem Prinzip der Statthalterschaft der Rechtsgelehrten (Velayate-Faqih) beruhende Herrschaft der islamischen Geistlichkeit. Chomeini ernannte sich zum Staatsoberhaupt auf Lebenszeit, Führer der Revolution und Oberster Geistlicher Führer in Personalunion. Bereits innerhalb der ersten Jahre etablierte er ein strengreligiöses System. Im Zuge dieser Veränderungen wurden neben den linken und monarchistischen Oppositionsgruppen auch die meisten seiner Wegbegleiter aus seiner Pariser Exilzeit hingerichtet bzw. zur Flucht gezwungen. Zum Schluss wurden selbst religiös-liberale Kräfte stark eingeschränkt bzw. verfolgt. Wichtiger Pfeiler bei der Festigung seiner Herrschaft über den Iran war die Etablierung verschiedener paramilitärischer Gruppen (v.a. Pasdaran und Bassidj). Zudem wurden auf Nachbarschaftsebene so genannte "Komitees" eingerichtet, die das Verhalten der Nachbarn überwachten.
Der Iran-Irak-Krieg
Im ersten Jahr des Iran-Irak-Kriegs 1980-1988 verweigerte Chomeini den von der UNO vorgeschlagenen Waffenstillstand und rief zu einer Art "Volkssturm", nicht zu verwechseln mit dem Dschihad, auf, um die Grenzgebiete zurück zu erobern. Während des gesamten Krieges rief Chomeini nicht zum Dschihad auf. Nach großen militärischen Verlusten bot er 1981 die "menschliche Welle" auf (kaum ausgebildete Zivilisten als Vorhut für die paramilitärischen Pasdaran). Diese Zivilisten, meist Jugendliche aus den armen Schichten der Bevölkerung, eroberten die von den Irakern besetzten Städte und Gebiete zurück, sodass nach den anfänglichen Erfolgen der Iraker, diese den Rest des Krieges auf eigenem Territorium führen mussten. Nach der Eroberung des einzigen irakischen Hafens Faw, durch die iranischen Soldaten, setzten die Iraker systematisch Giftgas gegen die Iraner und gegen die eigene Bevölkerung ein. Die technische Hilfe dafür kam hauptsächlich aus der USA und den europäischen Verbündeten. Aus humanitären Gründen stieß dies auf vielfache Kritik. Der lange Krieg und die zum Westen feindliche Haltung Chomeinis isolierten den Iran, wovon sich das Land erst nach zwei Jahrzehnten zu erholen begann.
Fatwah gegen Salman Rushdie
Am 14. Februar 1989 rief Chomeini in einer Fatwa alle Moslems zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf, auf Grund der von ihm als blasphemisch erachteten Äußerungen gegen den Propheten Mohammed in Rushdies Novelle „Die satanischen Verse“.
Nachfolger von Chomeini wurde 1989 sein früherer Schüler, der amtierende Staatspräsident und Chef des Revolutions- und Wächterrates, Ayatollah Seyyed Alī Chāmene'ī.
Literatur
Heinz Nußbaumer: Khomeini - Revolutionär in Allahs Namen, 1979, ISBN 3453010434
Siehe auch:
- Ali al-Sistani
- Qom
- Nadschaf
Chomeini, Ruhollah
Chomeini, Ruhollah
Chomeini, Ruhollah
Chomeini, Ruhollah
Chomeini, Ruhollah
ja:ルーホッラー・ホメイニー
TheokratieDie Theokratie (griechisch θεοκρατία, von θεός, theós - Gott und κρατεiν, Krat(e)ía- Herrschaft) ist eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer göttlich erwählten Person, einer Priesterschaft oder sakralen Institution auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird. Ein auf der Theokratie basierender Staat wird auch als Gottesstaat bezeichnet.
Theokratien in der Geschichte
Theokratischen Konzeptionen begegnet man in vielen alten Kulturen bzw. Religionen (Ägypten, China, Japan) und im Islam. Auch das Alte Israel mit seinen 12 Stämmen (der 12-Stämme-Amphiktionie) von circa 1250 v. Chr. bis zum Königtum ab Saul rund 1050 v. Chr. bildete gemäß dem Alten Testament einen Gottesstaat.
Zu einer Fehldeutung kann der Titel der Schrift De civitate Dei ("Vom Gottesstaat") des christlichen Kirchenvaters Augustinus verleiten. Mit civitas Dei ist nicht eine theokratische Verschmelzung von Kirche und Staat, sondern der unsichtbare Herrschaftsbereichs Gottes gemeint, der weder mit der Kirche noch mit dem Staat deckungsgleich ist.
Theokratien in der heutigen Zeit
Ein Beispiel für einen Gottesstaat in der heutigen Zeit ist die 1979 gegründete Islamische Republik Iran, die den Ansprch erhebt, eine Theokratie zu sein.
Auch der Vatikan ist eine Theokratie, da alle Staatsgewalt durch eine (auf Lebenszeit) erwählte Person (Papst) im Namen Gottes ausgeübt wird.
Westliche Staaten strebten seit der Aufklärung eine Trennung zwischen Staat und Religion an (teilweise: Laizismus).
Literatur
Ulrich Enderwitz, Reichtum und Religion, Zweites Buch 2, Erster Band (Der religiöse Kult), Ça ira Verlag, Freiburg, 1991, ISBN 3-924627-27-4 (http://www.reichtum-und-religion.de/relkult/)
Verwandte Themen
- Aufklärung
- Säkularisierung
- Islamische Revolution
- Dominionisten
Kategorie: Staatsform
Kategorie: Politischer Begriff
Kategorie: Religion
Kategorie: Staatsphilosophie
Afghanistan
Afghanistan (Paschtu/Persisch: افغانستان Afghanistan bzw. Afghânestân), ist ein Staat in Zentralasien, der an den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, China und Pakistan grenzt.
Einleitung
Das zentralasiatische Land grenzt an den Iran, Pakistan, China, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan; drei Viertel sind unzugänglich. In den 80er-Jahren besiegten islamische Mudschaheddin das kommunistische Regime. Aber die Aufteilung der Machtbereiche scheiterte an Rivalitäten; die Taliban-Milizen kamen an die Macht. Sie setzten die Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften des Islam durch, die Frauen kaum Rechte lassen. Das Taliban-Regime, das Extremisten Unterschlupf gewährt hatte, stürzte im maßgeblich von den USA geführten "Krieg gegen den Terrorismus", der Ende 2001 begann.
Geographie
Afghanistan ist ein Binnenland mit strategischer Bedeutung in der Region.
Das Land ist größtenteils Gebirgsland. Weniger als 10 % der Landesfläche liegen unterhalb von 600 m. Die Gebirge des Hindukusch (bis 7.500 m Höhe) und des Sefid Kuh erstrecken sich über weite Teile des 652.090 km² großen Landes.
Größere Städte sind Kabul (als Agglomeration 4,9 Mill. Ew.), Kandahar (339.200 Ew.), Mazar-e-Sharif (239.800 Ew.), Herat (166.600 Ew.), Dschalalabad (158.800 Ew., 2002) und Kundus (118.000 Ew., 2003).
Siehe auch: Liste der Städte in Afghanistan
Liste der Städte in Afghanistan
Im Südwesten befindet sich eine abflusslose Ebene mit dem Hilmendsee an der Grenze zum Iran. Sein wichtigster Zufluss ist der Hilmend, der im Osten des Landes nahe der Hauptstadt Kabul entspringt. Weitere Städte sind Kandahar, Kundus, Herat, Mazar-e Scharif, Baghlan und Jalalabad. Afghanistan besitzt ein kontinentales Klima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern.
Afghanistan ist vor allem ein Gebirgsland im östlichen Hochland von Iran. Nur im Norden liegen Ebenen am Amudarja und im Südwesten kleinere wüstenartige Becken. Der Nordosten wird vom Hindukusch durchzogen. Zwischen dem Becken von Kabul und dem nördlichen Landesteil besteht seit 1964 eine winterfeste Straßenverbindung über den Gebirgskamm mit einem fast 3 km langen Tunnel (Salangpass-Straße).
Der südliche Hindukusch fällt steil in die Landschaft Nuristan ab, die teilweise noch von Nadelwäldern bedeckt ist. Die Landschaften zwischen der Hauptstadt Kabul und dem Khaiberpass an der Grenze zu Pakistan sind der politische und wirtschaftliche Kernraum des Landes. Siedlungskern im westlichen Afghanistan ist die Stadt Herat. Das südliche und südwestliche Afghanistan besteht aus Wüsten und Halbwüsten. Es wird nur vom Hilmend durchflossen, der der längste afghanische Fluss ist. Der Hilmend endet in den Salzseen von Sistan an der Grenze zum Iran. Östlich des Hilmend liegt die Wüste Rigestan („Sandland“) und westlich des Hilmend die vorwiegend aus Schotter und Lehmflächen bestehende Dascht-e Margoh.
Der höchste Punkt des Landes ist der Gipfel des 7.485 m hohen Nowschak im Hindukusch. In der Flussebene des Amudarja an der Grenze zu Turkmenistan befindet sich mit 285 m über NN die tiefgelegenste Stelle Afghanistans.
Klima
Der Binnenstaat Afghanistan liegt inmitten eines Trockengürtels, dessen klimatische Gegebenheiten durch die Oberflächenstruktur des Landes stark abgewandelt werden. Charakteristisch sind kontinentalklimatisch starke Schwankungen der Temperatur während des Tages und der Nacht und zwischen den Jahreszeiten. Die winterlichen Westwinde bringen meist mäßige Niederschläge, während die Sommer ausgeprägt trocken sind und nur im äußersten Südosten der Monsun für Regen sorgt.
Klimatisch gehört der Süden des Landes bereits zu den wärmeren Subtropen, in denen der Anbau von Dattelpalmen möglich ist. Darüber hinaus ist Afghanistan neben Myanmar das Land mit dem größten Opiumanbau der Erde.
Das Temperaturspektrum ist das größte der Welt: Es reicht von -50 bis +53°C. Im Jahr 2000 hatte die Hälfte der Bevölkerung unter einer der häufig auftretenden schweren Dürren zu leiden.
Bevölkerung
Ethnien
Opium
Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat und Minoritätenmosaik, wobei sich jedoch aus historischen Gründen die Paschtunen häufig als Staatsvolk fühlen. Das Land hatte 2004 etwa 28,5 Millionen Einwohner (es gab in Afghanistan nie eine Volkszählung. Eine Einwohnerzahl von 25-30 Millionen gilt als sehr wahrscheinlich). Die Einteilung nach ethnischen Gesichtspunkten ist nicht immer eindeutig, so dass sprachliche, religiöse und auf äußeren Körpermerkmalen beruhende Kriterien sich überschneiden, wie etwa bei den „mongolischen“ Hazara. Die folgenden Prozentangaben sind nur eine grobe Schätzung und geben nur die wahrscheinliche Bevölkerungsaufteilung wieder.
- Paschtunen, die ethnischen Afghanen, sind die Begründer und Namensgeber des Landes. Sie machen ca. 40 % der Bevölkerung aus.
- Den Paschtunen zugeordnet sind u.a. mehrere Nomadenstämme, allen voran die Kuchi mit rund 5 Millionen Vertretern. Diese wurden durch Artikel 14 der Afghanischen Verfassung besonders geschützt und mit Mitspracherechten ausgestattet.
- Tadschiken sind persischer Abstammung und machen ca. 30 % der Bevölkerung aus.
- Den Tadschiken zugeordnet sind u.a. die Qizilbasch, die Nachkommen persisch-türkischer Soldaten aus der Zeit der Safawiden-Herrschaft.
- Hazara, die immer wieder als Nachkommen der Armee Dschingis Khans bezeichnet werden, sind heute persischsprachig und stellen ca. 20 % der Bevölkerung. Ihre Abstammung ist wissenschaftlich nicht belegt und deshalb unter Historikern umstritten.
- Usbeken, eines der vielen Turkvölker Zentralasiens, stellen ca. 5 % der Bevölkerung.
- daneben existieren noch mehrere kleinere Gruppen von u.a. Aimaken, Turkmenen, Nuristani und Belutschen.
Nach 1992 haben ethnische Konflikte die Auseinandersetzungen zwischen den Mudschaheddin geprägt. Die traditionellen Herrscher Afghanistans waren die Paschtunen, sie waren auch bei den Taliban tonangebend. Der Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 gab einer Allianz aus Tadschiken, Hazara und Usbeken die Gelegnheit, ein Abkommen über die Aufteilung der Macht durchzusetzen. Die Paschtunen sehen sich seitdem Vergeltungsangriffen ausgesetzt. Unter den Taliban war es darüber hinaus zu Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten gekommen.
Im zehn Jahre dauernden Konflikt nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 sowie im nach 1992 einsetzenden Bürgerkrieg gab es etwa 2 Mio. Tote und eben so viele Versehrte. Weitere 6 Mio. mussten ins benachbarte Pakistan und den Iran fliehen. Viele kamen zwar zurück, doch durch die Kämpfe im Jahr 2001 entstand eine neue Flüchtlingswelle; Hunderttausende wurden innerhalb des Landes vertrieben.
Unter dem islamistischen Taliban-Regime hatten die Frauen kaum Rechte. Die Übergangsregierung ließ Frauen wieder zum Berufsleben zu und erlaubte Mädchen den Schulbesuch. Gesellschaftliche Beschränkungen für Frauen bestehen aber weiterhin.
(siehe auch [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/af.html#People Ethnic groups])
78 % der Bevölkerung leben auf dem Land und nur 22 % in den Städten.
Iran
Sprachen
In Afghanistan werden schätzungsweise mehr als 20 verschiedene Sprachen und über 200 verschiedene Dialekte gesprochen. Von diesen wurden durch die große Ratsversammlung Loja Dschirga, Persisch und Paschto als offizielle Landes- und Regierungssprachen (Amtssprachen) bestätigt.
Neupersisch, in Afghanistan überwiegend Dari genannt (abgeleitet von Farsi-e Darbâri, "Persisch des königlichen Hofes"), ist die Mehrheitssprache [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/af.html#People] und, seit der Gründung Afghanistans durch Ahmad Shah Durrani, auch Amtssprache des Landes. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans (hauptsächlich Tadschiken, Hazara, Aimaken, aber auch sehr viele Paschtunen) spricht Persisch als Muttersprache, welche insgesamt als lingua franca des Landes angesehen werden kann. Dari ist zudem die Sprache der Bevölkerung der Hauptstadt Kabul. Sie dient nicht nur als Regierungs- und Witschaftssprache, sondern auch als Kommunikationssprache zwischen jenen Volksgruppen, die nicht eine der beiden Landessprachen als Muttersprache sprechen.
Paschto (Afghanisch), die Sprache der Paschtunen, ist seit 1964 Amtssprache. So wird traditionellerweise die Nationalhymne Afghanistans seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur in Paschto gesungen. Auch militärische Titel sind der Sprache der Paschtunen entnommen. Trotzdem konnte sich Paschto bisher nicht als Staatssprache durchsetzen und hat diesen Status nur in den paschtunischen Stammesgebieten. Von anderen Bevölkerungsgruppen wird Paschto meist als zweitrangig angesehen, und auch die Frage der Nationalhymne hat immerwieder provokante Diskussionen heraufbeschworen. Jegliche Versuche der Regierung, den Status von Paschto in der Bevölkerung zu erhöhen, sind bisher im Großen und Ganzen gescheitert.
Daneben sind auch fünf Minderheitensprachen in jenen Regionen als Amtssprache anerkannt, in denen diese von der Mehrheit gesprochen werden; die wichtigste Sprache ist dabei Usbekisch. Aber auch Turkmenisch, Belutschisch, Paschai und Nuristani (Kati) haben unter Karzai eine Aufwertung erfahren. Momentan wird u.a. mit deutscher Hilfe daran gearbeitet, Wörterbücher und Lehrmaterialien für den Schulunterricht in diesen Sprachen zu erstellen.
Die Analphabetenrate der erwachsenen Bevölkerung ist mit 71,3 % im internationalen Vergleich sehr hoch. Invasion, Bürgerkrieg und die Kulturfeindichkeit der Taliban haben ganze Generationen ohne jeden Zugang zu Bildung aufwachsen lassen. Dies ist eines der größten Hindernisse beim Wiederaufbau des Landes. Mit dem Ende des Taliban-Regimes entstanden mit ausländischer Hilfe im ganzen Land neue Schulen, so dass inzwischen ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen wieder eine Schule besuchen kann.
Religion
Nuristani
Über 99 % der Bevölkerung sind Muslime, davon etwa vier Fünftel meist hanafitische Sunniten und ein Fünftel imamitische Schiiten. Daneben gibt es noch etwa 20.000 Hindus, einige wenige hundert Sikhs und einen Menschen jüdischen Glaubens.
Der Islam wird je nach ethnischer Gruppe, nach Region und/oder nach Bildungsstand unterschiedlich verstanden und interpretiert. Eine wichtige Rolle spielen bis heute die vorislamischen Bräuche der Bevölkerung, wie z.B. das arianische bzw. altiranische (persische, kurdische, belutschische, afghanische usw.) Neujahr (Nowroz) nach dem iranischen Kalender oder der Glaube an segenbringenden Weihrauch (Espand); beides zoroastrische Bräuche.
Islam in Afghanistan
zoroastrische Bräuche]
Der Islam in Afghanistan ist über die Jahrhunderte von den Afghanen durch ihre vorislamische Kultur und ohne islamische Grundlagen sehr konservativ ausgelegt worden. Vor allem Frauen gehen nur mit Ganzschleier (Burka) aus dem Haus.
Die Burka wurde bereits in vorislamischer Zeit von paschtunischen Frauen getragen. Allerdings wurde sie nur in größeren Städten getragen. Auf dem Land war es unüblich und sogar hinderlich (z.B bei Feldarbeit).
Den Tadschiken und den anderen Volksgruppen war diese Tradition unbekannt, was man daran erkennt, dass Frauen in anderen Ländern Zentralasiens ebenfalls keine Burka tragen.
Die Taliban verpflichteten Mitte der 90er Jahre alle Frauen zum Tragen einer Burka. Die Burka-Pflicht wurde 2001 offiziell aufgehoben.
Einzig in Kabul gibt es Orte, wo Frauen sich unverschleiert zeigen dürfen (z.B ein Frauenpark in Kabul). Noch immer trauen sich nur wenige Frauen ohne männliche Begleitung auf die Straßen und Übergriffe gegen Frauen sind in Kabul und anderen größeren Städten nicht selten – obwohl die Lage zumindest hier durch ausländische Truppenpräsenz einigermaßen stabil ist.
Viele Taliban waren Paschtunen. In einigen Paschtunischen Gebieten ist die Sympathie für die Taliban immer noch groß - nicht wenige befürworten eine „Rückkehr der Taliban“.
Insgesamt hatte jedoch die Mehrheit der Bevölkerung, insbesondere aber die Frauen, unter den Taliban zu leiden, da sie nur mit Begleitung eines männlichen Familienangehörigen aus dem Haus durften.
Da es durch den Krieg allein in Kabul etwa 30.000 Witwen gab, waren diese völlig auf sich allein gestellt. Vielen blieb nichts anderes übrig, als zu betteln.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Afghanistans
Von der Antike bis zur Neuzeit
In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Afghanistan zum Perserreich. Später entstand in Baktrien ein Griechisch-Baktrisches Königreich, das von den Nachkommen der Truppen Alexanders des Großen regiert wurde.
Nach dem Fall der Sassaniden und der Invasion der muslimischen Araber dominierten bis zum Mittelalter persische Lokaldynastien, die dem muslimischen Kalifat unterstanden. Der Islam setzte sich dennoch in dieser Region verhältnismäßig langsam durch. Erst gegen Ende des 10. Jahrhundert, das heißt nach der großen Völkerwanderung der Türken ins Iranische Hochland, sollen nach einer islamischen Chronik die meisten Einwohner im Raum Ghur (zw. Herat und Kabul) Moslems gewesen sein.
Staatsgründung und Namensgebung
Der Paschtune Ahmad Schah Durrani begründete im Jahr 1747 ein selbstständiges Königreich im Osten Persiens, im Gebiet Khorasan Wa Mawar al-Nahr. Damit gilt er allgemein als der Begründer Afghanistans. Das von Durrani gegründete Reich zerbrach schon bald wieder an inneren Streitigkeiten und Einmischungen von außen. Wenig später geriet Afghanistan in den Einflussbereich der expandierenden Briten.
Der Name Afghanistan (ursprünglich als Afghanland von den Engländern eingeführt; wurde später als Afghanistan von den Afghanen übernommen) bedeutet wörtlich Land der Afghanen und entstand am Anfang des 19. Jahrhunderts. 1801 wurde er im Anglo-Persischen Friedensvertrag zum ersten mal erwähnt.
Die britische Kolonialmacht
Um das Land zu erobern und als Teil des Britischen Imperiums in Indien einzugliedern, kämpfte 1839-1842 eine große Anglo-Indische Armee im ersten Anglo-Afghanischen-Krieg gegen einen relativ schlecht ausgerüsteten afghanischen Widerstand. Die Briten konnten zwar das Land besetzen, jedoch nicht ihre Ziele durchsetzen. 1842 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, bei dem die Briten sich bereit erklärten, ihre Truppen zurückzuziehen. Jedoch wurden kurz darauf am Khyber-Pass die sich zurückziehenden Briten angegriffen und alle 15.000 britischen Soldaten und deren Familienmitglieder getötet. Dieser militärische Verlust in Afghanistan frustrierte die britische Kolonialregierung und erschwerte ihre Bestrebungen, wie z.B. die Kontrolle der Handelswege in Zentralasien und, der von dort versuchte Angriff auf die chinesische Qing Dynastie. Die Katastrophe in Afghanistan erregte auch viele Inder, denn die britische Armee bestand zu einem großen Teil aus Indern.
Angetrieben durch den Frust der vorangegangenen Demütigung erklärte 1878 die britische Regierung erneut den Krieg gegen Afghanistan. Trotz kleiner militärischer Erfolge der Afghanen, wie bei der Schlacht von Maiwand 1880, wurde der Widerstand niedergeschlagen, die Hauptstadt Kabul aus Rache niedergebrannt, und eine Marionette als König installiert. Gleichzeitig übernahmen die Briten für die folgenden 40 Jahre die afghanische Außenpolitik. Aufgrund vieler Aufstände in Afghanistan wurde 1893 das Land durch die Durand-Linie von den Briten geteilt und das süd-östliche Gebiet (die heutigen pakistanischen Provinzen NWFP, FATA und ein kleiner Teil Belutschistans) der indischen Kronkolonie einverleibt.
Belutschistan
Der dritte Anglo-Afghanische-Krieg im Mai 1919 - ein letzter Versuch Afghanistans, sich vom britischen Joch zu befreien - führte schließlich durch geschicktes Verhandeln der afghanischen Diplomaten (die Afghanen drohten den Engländern, sich weiter Russland anzunähern) zum Vertrag von Rawalpindi und am 8. August 1919 zur Anerkennung Afghanistans als souveränen und unabhängigen Staat durch Großbritannien. Somit hatte Afghanistan nach mehr als 60 Jahren britischer Vorherrschaft seine volle Unabhängigkeit erlangt, während ein großer Teil der Gebiete an die Briten verloren gingen und später dem Staat Pakistan zugesprochen wurden.
Afghanistan nach der Unabhängigkeit
Seit 1933 bestand mit Mohammed Sahir Schah (Baraksai) an der Spitze ein konstitutionelles Königreich; es musste 1973 einer Republik weichen, in der 1978 die Kommunisten die Macht übernahmen. Der im Dezember 1979 erfolgte sowjetische Einmarsch stürzte Afghanistan in einen zehnjährigen „Stellvertreterkrieg“ (siehe Afghanischer Bürgerkrieg und sowjetische Invasion), den die islamischen Kräfte Afghanistans (Mujaheddin, soviel wie „Gotteskrieger“) gewannen, und zwar mit Unterstützung aus Pakistan, Saudi-Arabien und den USA. Nach dem Abzug der Sowjets 1989 und dem Rücktritt des letzten kommunistischen Präsidenten Najibullah 1992 begannen die Mujaheddin-Gruppen, sich gegenseitig zu bekämpfen, und es entbrannte ein brutaler Bürgerkrieg, der bis etwa 1995 dauerte. In jenem Jahr begannen von Pakistan aus die radikal-islamistischen Taliban (soviel wie Koran-Schüler; eine Splittergruppe der ehem. Mujaheddin) das Land zu erobern – sie kontrollierten bis 2001 ca. 90 % des Landes und etablierten ein streng islamisches Regime. So wurden Musik, Sport, Bilder und Fernsehen verboten, fast sämtliche Schulen und Universitäten geschlossen, Männer gezwungen, Bärte zu tragen und Frauen durften nur mit männlicher Begleitung und in eine Ganzkörperverschleierung (Burka) gehüllt das Haus verlassen. Zudem waren Frauen und Mädchen Schulbesuch und Berufstätigkeit untersagt.
Siehe auch: Liste der Staatsoberhäupter Afghanistans
Afghanistan nach dem Kalten Krieg
Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001, die die US-Regierung dem Ex-Saudi-Araber Osama bin Laden zuschrieb, und nachdem der UN-Sicherheitsrat den USA das Recht auf Selbstverteidigung zusprach, führte eine Allianz unter Führung der USA zum Sturz des herrschenden Talibansystems. Hierbei stellte die Nordallianz den Großteil der Bodentruppen.
Der paschtunische Stammesführer Hamid Karsai, der im Dezember 2001 auf der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn als Vorsitzender ermächtigt wurde, wurde 2002 von der landesweiten Loja Dschirga („Große Ratsversammlung“) zum Präsidenten gewählt.
Die Zerstrittenheit innerhalb der Nordallianz nahm bis 2002 zu, landesweit kam es zu ethnischen und sprachlichen Verfolgungen. Trotz der Zerstrittenheit besetzen Mitglieder der Nordallianz vermehrt Schlüsselfunktionen. Die Rivalitäten zwischen den Stämmen und Völkern nahmen weiter zu und gefährdeten den Frieden weiter.
Viele der im Krieg ins Ausland geflüchteten Menschen kehrten inzwischen zurück.
Am 9. Oktober 2004 fanden die ersten (freien) Präsidentenwahlen statt, aus denen Hamid Karsai als Sieger hervorging.
Für den 18. September 2005 ist eine Parlamentswahl geplant. Die "Provincial Reconstruction Teams - PRT KUNDUZ" sind ein Teil der ISAF und in dieser Zeit für die Sicherheit in der Region verantwortlich.
Die Sicherheitslage ist immer noch gefährlich. Im Süden und Osten von Afghanistan existieren Gebiete, in die sich keine Besatzungstruppen hintrauen. Seit März 2005 wurden über 1000 Menschen bei Anschlägen getötet. Am 14. September 2005 ermordeten die Taliban in der südafghanischen Provinz Uruzgan sieben Afghanen, weil diese Wählerausweise bei sich trugen.
Politik
Allgemeines
Afghanistans Regierungsform ist die einer Republik mit einer Übergangsregierung aus 30 Ministern und 4 Vizepräsidenten (bestätigt von der Loja Dschirga). Das Land gliedert sich in 34 Provinzen.
Politisches System
Seit der Verfassung von 2004 hat Afghanistan ein präsidiales Regierungssystem mit einem Präsidenten an der Spitze der Exekutive. Der Präsident wird direkt vom Volk für eine Dauer von fünf Jahren gewählt. Nach zwei Amtszeiten ist es dem Präsident verwehrt wieder zu kandidieren. Ein Präsidentschaftskandidat muss mindestens 40 Jahre alt, ein Moslem und afghanischer Staatsbürger sein. Der Bewerber nominiert zwei Vizepräsidentschaftsbewerber. Der Präsident ist Staats- und Regierungsoberhaupt und Oberbefehlshaber der militärischen Streitkräfte. Zu seinen Befugnissen gehören außerdem die Bestimmung seines Kabinetts, sowie die Besetzung von Positionen im Militär, der Polizei und Provinzregierungen mit der Zustimmung des Parlaments.
Die Nationalversammlung ist die Legislative von Afghanistan und besteht aus zwei Häusern: der Wolesi Dschirga (Haus des Volkes) und der Meschrano Dschirga (Haus der Älteren).
Meschrano Dschirga
Das Parlament (Wolesi Dschirga) besteht aus 249 Sitzen, wobei 68 für Frauen und zehn für die Nomaden-Minderheit der Kuchis vorbehalten sind. Die Abgeordneten werden durch direkte Wahl bestimmt, wobei die Anzahl der Sitze im Verhältnis zur Einwohnerzahl der jeweiligen Provinz stehen. Es müssen mindestens zwei Frauen pro Provinz gewählt werden. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Zur Wahl sind keine Parteien zugelassen. Auf dem Stimmzettel erscheinen der Name, das Foto und das Symbol des Bewerbers, dem keine Verbindung zu bewaffneten Organisationen erlaubt sind. Die Mandatsträger erhalten keine Immunität vor dem Gesetz. Die Meschrano Dschirga besteht zu je einem Drittel aus Delegierten, die von den Provinz- bzw. Distrikträten für vier Jahre bestimmt werden, sowie zu einem Drittel aus Abgeordneten, die vom Präsident bestimmt werden, wobei die Hälfte aus Frauen bestehen muss.
Die Judikative setzt sich aus dem Stera Mahkama (Oberster Gerichtshof), dem Berufungsgericht und niederen Gerichten für bestimmte Zuständigkeiten zusammen. Der Stera Mahkama besteht aus neun Richtern, die vom Präsident für eine Amtszeit von zehn Jahren nominiert und vom Parlament bestätigt werden. Richter müssen mindestens das Alter von 40 Jahren erreicht haben, dürfen keiner politischen Partei angehören und müssen einen Abschluss in Jura oder islamischer Rechtsprechung haben. Die Stera Mahkama hat auch die Befugnisse eines Verfassungsgerichtshofs.
Politischer Transformationsprozess
Ende 2003 bis Anfang Januar 2004 tagte die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) erneut und stimmte schließlich dem Entwurf einer Verfassung zu. Als Staatsform hat man sich auf eine Islamische Republik geeinigt, die demokratische Parlamentswahlen ermöglichen wird; auch der Präsident soll vom Volk gewählt werden und dieser erhält u. a. das Recht, den obersten Ankläger zu ernennen. Es wird zwei Vizepräsidenten geben.
Die letzten Präsidentschaftswahlen fanden am 9. Oktober 2004 statt, die nächsten Parlamentswahlen sollen dann am 18. September 2005 folgen. Ursprünglich sollten sie im Juni 2004 stattfinden, mussten aber aufgrund von Verzögerungen bei der Wahlregistrierung mehrmals verschoben werden. Dem Amtsinhaber Hamid Karsai wurde im November 2004 offiziell zum Präsidenten Afghanistans erklärt.
Parlamentswahl am 18. September 2005
Am 18. September 2005 fanden in Afghanistan Wahlen für die Wolesi Dschirga und die Räte der 34 Provinzen statt. Für die Wahl haben sich 12,7 Millionen der 22 Millionen Afghanen registriert. Für die Parlamentswahl gab es 2.800 Kandidaten, darunter 330 Frauen, und für die Provinzratswahl über 3.000 Kandidaten.
Die Glaubwürdigkeit der Wahl wird durch die Angst vor Wahlmanipulation in Frage gestellt. In Masar-e Scharif sorgt nicht die ISAF-Schutztruppe für die Sicherheit der Wähler, sondern der dortige Kriegsfürst Mohammed Atta.
Zudem wurden sieben Kandidaten von den Taliban erschossen.
Ausländische Truppenpräsenz
Mohammed Atta
Am 28. Juni 2004 beschloss die NATO die Truppenstärke in Afghanistan von 6.500 Soldaten der ISAF auf insgesamt 10.000 Soldaten zu erhöhen. Durch die Einrichtung zusätzlicher Regionaler Wiederaufbauteams (PRT) im Norden und Westen des Landes wird damit der Einsatz über Kabul hinaus ausgedehnt. Großbritannien, Norwegen, Finnland und Schweden beteiligen sich an dem Programm. Deutschland hat unter anderem in Kabul und Kundus Truppen stationiert, mit dem erweiterten Bundestagsmandat wird die Bundeswehr ihre Präsenz im Norden weiter ausbauen und in Mazar-e-Sharif ein Feldlager mit einem Flugplatz aufbauen. Deutschland ist u. a. auch für die Ausbildung einer Polizei zuständig.
Die USA haben eine 20.000 Mann starke Truppe im Rahmen von Operation Enduring Freedom stationiert, die immer noch gegen die Taliban kämpfen. Das US-Militär unterhält Basen in Bagram und Kandahar.
Reisewarnung
Für Afghanistan existiert eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland (Stand: 12. Mai 2005).
Siehe auch: Liste afghanischer Politiker, Afghanistan-Konferenz
Provinzen
Hauptartikel: Provinzen Afghanistans
Seit dem 13. April 2004 gliedert sich Afghanistan in 34 Provinzen (velayat). Die Provinzen sind wiederum in 329 Bezirke (woluswali) unterteilt. Regiert werden die Provinzen von einem Gouverneur (waali), der von der Zentralregierung in Kabul ernannt oder bestätigt wird. Derzeit sind einige Gouverneursposten vakant.
Infrastruktur
Das afghanische Schienennetz beschränkt sich auf 24,6 km. Die Straßen (21.000 km davon 13,3 befestigt) befinden sich im Wiederaufbau, es besteht jedoch eine hohe Minengefahr. Afghanistan gilt als eines der am meisten verminten Gebiete der Welt. Außerdem sind die Straßen je nach Jahreszeit oft stark unterspült. Möglichkeiten zur Schifffahrt bestehen auf dem Grenzfluss Amu-Darja (Pandsch). Durch Kabul fließt ein Fluss gleichen Namens Richtung Osten.
Die Flugplätze (44 an der Zahl) des Landes wurden in den Luftangriffen seit Oktober 2001 stark beschädigt. 16 km von Kabul befindet sich der wichtige Flughafen Kabul. Er wird von den Gesellschaften Ariana Afghan Airlines, Kam Air, Azerbaijan Airlines, Mahan Air, Pakistan International und Qatar Airways angeflogen. Sein IATA-Code lautet KBL. Kandahar besitzt ebenfalls einen Flughafen mit dem IATA-Code KDH.
Bei Bahglan befindet sich ein ehemalig russischer Luftstützpunkt. Zur Zeit wird er von den USA genutzt. Außer diesen Flughäfen gibt es noch Afghanistan Islam Qala OAEQ (ICAO), Afghanistan Jabul Saraj OAJS (ICAO), Afghanistan Jalalabad OAJL (ICAO) JAA (IATA),AfghanistanJawand OAJW (ICAO), Afghanistan Kajaki OAKJ (ICAO), Afghanistan Kalat OAKT (ICAO) KBH (IATA), Afghanistan Kaldar OAKR (ICAO), Afghanistan Kamdesh OAKD (ICAO), Afghanistan Karez-i-Mir OAKZ (ICAO), Afghanistan Keshim OAEK (ICAO), Afghanistan Khost OAKS (ICAO) KHT (IATA), Afghanistan Khost-o-Fering OAFG (ICAO) und Afghanistan Khwahan OAHN KWH Afghanistan Koban OAKA (ICAO).
Die national wie international aktive Fluggesellschaft heißt Ariana Afghan Airlines.
Wirtschaft
Nach zwei Jahrzehnten Krieg folgte eine unsichere Lage im Land. Die Wirtschaft des Landes wurde so weitgehend zerstört, ebenso ein Großteil der Viehbestände. Afghanistan zählt nun zu den ärmsten Staaten. Die Bevölkerung leidet unter Hungersnöten.
Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei geschätzten 20 Mrd. US-$ (Stand 2003). Bei der Entstehung des BIP ist der Landwirtschaftssektor mit geschätzten 60 % beteiligt, die Industrie mit geschätzten 15 % und Dienstleistungen mit geschätzten 25 %.
Als Bodenschätze sind Eisen- und Kupfererze, Erdgas, Kohle und Halbedelsteine (insbes. Lapislazuli) zu nennen.
Afghanistans Außenbeziehungen werden von Schmuggel beherrscht. Etwa die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes beruhen auf dem Verkehr von Opium (Stand 2002). Drei Viertel der Schlafmohnernten weltweit stammen aus Afghanistan. Im Jahr 2004 wuchs die Schlafmohnanbaufläche erneut um 64 %. Es wird befürchtet, dass sich das Land allmählich zu einem Drogenstaat entwickelt.
Afghanistan importierte im Jahr 2000 Waren im Wert von 600 Mio. US-Dollar, insbesondere folgende Güter: Nahrungsmittel, Erdölprodukte und Konsumgüter, die meist aus Singapur, Japan und der EU stammen. Exportiert wurden Nahrung und Früchte im Wert von 150 Mio. US-Dollar. Diese gingen vor allem nach Pakistan, in die EU und in die USA.
Obwohl nur etwa 6 % der Staatsfläche landwirtschaftlich nutzbar sind und diese Nutzung meist von künstlicher Bewässerung abhängt, sind 67 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig (Stand 2001). Ernten sind regelmäßig durch Dürren bedroht.
Zu den wichtigsten Handelspartnern zählt neben Staaten der Region (vor allem Pakistan und Iran) auch die Europäische Union.
Kultur
Europäische Union
Afghanistan war bis zum 6. Jahrhundert meist buddhistisch geprägt. Der Islam erreichte das Land im 7. Jahrhundert und verbreitete sich schnell.
Afghanistan hatte ein reiches kulturelles Erbe. Als die Taliban 1996 Kabul eroberten, zerstörten sie viele Kunstwerke (u.a. Gemälde und Figuren aus buddhistischer Zeit), vor allem die, die Menschen darstellten. Einigen Mitarbeitern des örtlichen Institutes für Kunst gelang es jedoch, einige Bilder vor den Taliban zu retten.
Eine der größten Sehenswürdigkeiten waren die Buddha-Statuen von Bamiyan. Im Jahre 2001 wurden diese in einen Felsen gehauenen Kunstwerke durch die damals herrschenden Taliban aus religiösen Gründen zerstört. Ein schweizerisches Team versucht seit diesem Zeitpunkt, eine Rekonstruktion zu finanzieren und zu betreiben, bis heute jedoch ist es bei den Plänen geblieben. In Afghanistan gibt es vier Universitäten, davon zwei in Kabul und je eine in Dschalalaba und Herat.
Das Reiterspiel Buzkashi gilt als afghanischer Nationalsport.
Siehe auch: Afghanisches Museum Hamburg, Persische Literatur
Kalender
Gesetzliche bzw. staatliche und landwirtschaftliche Feiertage und Feste wie Nauroz, Unabhängigkeitsfest sowie staatliche Gedenktage werden nach dem iranischen Sonnenjahr bzw. Kalender, basiert auf Sternzeichen gefeiert. Religiöse Feste werden nach dem Mondjahrislamischen Kalender gefeiert.
Kalender nach dem Sonnenjahr ist Staatskalender, auch wenn er im Laufe der Geschichte auf dem Boden des heutigen Landes aber auch seit der Namensgebung "Afghanistan" im 19. Jahrhundert wiederholt außer Kraft gesetzt worden ist. Zuletzt wurde der Solarkalender im Jahre 1996 von Taliban für ungültig erklärt. Der islamische Lunarkalender war der Kalender des "Islamischen Emirats Afghanistan".
In der Loya Jirga vom 2004 ist der nach Sonnenjahr beruhende Kalender abermals in der Verfassung verankert. Demnach basiert der Kalenderanfang auf dem Zeitpunkt der Pilgerfahrt (Hidschra) des Propheten Mohammad. Die Arbeitsgrundlage des Staatswesens ist der auf jener Pilgerfahrt beruhende Sonnenkalender. 22 Sonnenjahre entsprechen 23 Mondjahren. Die 12 Monatsnamen des Sonnenkalenders entsprechen in Afghanistan dem Tierkreiszeichen.
Tourismus
Es wird noch lange dauern, bis sich Afghanistan von Jahrzehnten des Bürgerkrieges erholt hat. In Kabul sind nur wenige Hotels geöffnet; Reisen ist extrem gefährlich, vor allem im Landesinneren, das von Landminen verseucht ist. Mangels geordneter Wirtschaftsverhältnisse kommen nur selten Geschäftsleute. Die meisten Kulturschätze wie z.B. die berühmten Buddhastatuen von Bamian wurden zerstört oder geplündert. Die nationale afghanische Fluglinie Air Ariana hat bei der US-Bombardierung 2001 sechs ihrer acht Flugzeuge verloren.
Fakten: Besucher : Bevölkerung 1 : 5975
4000 Besucher pro Jahr
Afghanistan veröffentlicht keine offiziellen Zahlen zum Tourismus.
Weblinks
- [http://www.JaVuN.com/ JaVuN.com - Das iranische Portal! (Infos über Iran, Nachrichten, Entertainment, Community)]
- [http://www.afghanmania.de/ Afghanistan-Portal]
- [http://www.afghanembassy.net/ Afghanische Regierung]
- [http://www.afghanische-botschaft.de/ Afghanische Botschaft Berlin]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=1&type_id=14 Informationen des Auswärtigen Amtes zu Afghanistan]
- [http://www.afghan-german.de/ Afghan German Online] (mit Diskussionsforen und Nachrichten auf Deutsch / Englisch / Persisch / Paschto)
- [http://www.afgha.com/ Afgha.com]
- [http://www.kabulpress.com/ KabulPress.com] (die neusten Nachrichten aus Afghanistan, Analysen, Fakten, Meinungen, Diskussionsforen Sprache: Deutsch | Farsi-Dari )
- [http://www.mazar-i-sharif.de/ Afghanistan mazar-i-sharif]
- [http://www.scgonline.net/special/WIB/Archives/No6/CSAfghanNo6.htm Country Studies: Afghanistan (viele Informationen über Afghanistan auf English)]
- [http://www.suedasien.net/laender/afghan/geschichte.htm Südasien Online]
- [http://www.wdr5.de/funkhauseuropa/dossiers/detail.phtml?dossier_id=45 Information über Afghanistan]
- [http://talesofasia.com/afghanistan.htm Ein Tourist in Afghanistan - im März 2003!]
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Algerien
Algerien (arabisch: الجزائر al-Ğazā’ir ) ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Das zum Maghreb zählende Land grenzt an das Mittelmeer, Marokko, Mauretanien, Mali, Niger, Libyen und Tunesien.
Algerien war bis zum Unabhängigkeitskrieg französisches Gebiet und ist neben dem Sudan und der Demokratischen Republik Kongo einer der größten Staaten Afrikas mit einem großen Anteil an der Sahara. Nach Jahren des Bürgerkrieges zwischen islamischen Fundamentalisten und der Regierung ist Algerien nun relativ befriedet und darum bemüht, gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen zu verwirklichen.
Geographie
Algerien ist nach der Republik Sudan das zweitgrößte Land Afrikas und erstreckt sich von der 1.100 km langen Mittelmeer-Küste bis in die Sahara.
Nordalgerien umfasst das hinter dem Küstensaum ansteigende Gebirgsland des Tellatlas (2.308 m), dem inneren Hochland der Schotts, dem Hauptteil des Saharaatlas (2.328 m). Südalgerien (80 % der Staatsfläche) wird eingenommen von Sanddünen (Großer Erg), den Plateaus der Hammada, schluchtenreichen Stufenlandschaften (Tassili n'Ajjer) und dem Gebirgsmassiv Ahaggar (2.918 m) in der zentralen Sahara.
Der Norden hat Mittelmeerklima, das Atlasgebiet kontinentales Hochlandklima, der Süden Wüstenklima. Es gibt nur wenige ganzjährig fließende Flüsse. An der Nordseite des Tellatlas wachsen mediterrane Sträucher (Macchie), Aleppokiefern, Korkeichen und Steineiche.
Bevölkerung
Vorwiegend Algerier und verschieden Berberstämme, die zum Teil arabisiert sind, bevölkern Algerien. Die Zahl der Europäer sank nach Erlangung der Unabhängigkeit bis auf etwa 20000. Die Bevölkerungsdichte im nördlichen Algerien beträgt 50 Einwohner je km², dagegen liegt sie in den Saharagebieten unter einem Einwohner. Der Anteil der städtischen Bevölkerung (etwa 60%) nimmt ständig zu. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug während der letzten Jahre durchschnittlich 2,3 %.
Sprache
Allgemeine Umgangssprache ist das Algerisch-Arabische.
Daneben spielt das Französische noch eine wichtige Rolle. Schriftsprache ist entweder Französisch oder Hocharabisch, wobei es eine Initiative der Regierung zum Gebrauch des Hocharabischen gibt. Etwa 83% der Bevölkerung spricht Arabisch als Muttersprache.
Daneben spricht ein großer Teil, 16%, der Bevölkerung Berbersprachen, vor allem im Süden des Landes, der fast nur von Tuareg bewohnt ist. Die am meisten gesprochene Berbersprache ist Kabylisch.
Die Berberische Sprache wird nicht nur im Süden gesprochen, sondern auch im Nord-Osten von Algier (Kabylei).
Religion
Die Staatsreligion ist der Islam,der von fast 100% der Bevölkerung praktiziert wird. Es gibt katholische und protestantische Minderheiten.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Algeriens
Seit Beginn der historischen Überlieferung wurde das Gebiet Algeriens von Berber-Stämmen besiedelt. Alsbald kam die Region unter römische Herrschaft. Nach dem Untergang des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert gewannen die Berber wieder ihre Unabhängigkeit, wurden aber im 7. Jahrhundert von den muslimischen Arabern unterworfen.
Als im 16. Jahrhundert Spanien die algerischen Küstenstädte eroberte, griffen Korsaren unter der Hoheit des osmanischen Sultans in Istanbul an und konnten mit dessen Hilfe die Spanier in langwierigen Kämpfen vertreiben.
In Algerien setzten die Osmanen Paschas als Regenten ein. Allerdings verloren diese bald die wirksame Kontrolle über Algerien, so dass die Korsaren und die osmanischen Janitscharen den Dey in Algier einsetzten.
1830 besetzten französische Truppen Algier, Oran und Bone und begannen mit der Eroberung des Landes. Nun begann die Umwandlung Algeriens in eine französische Provinz. Bis 1906 war auch die algerische Sahara von den Franzosen unterworfen worden.
Zum Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung kam es, als 1945 nach Unruhen in Setif und Guelma zehntausende Algerier von der französischen Armee massakriert wurden. Im November 1954 begann der Unabhängigkeitskrieg (Algerienkrieg) gegen Frankreich. 1962 erreichte Algerien mit dem in Evian geschlossenen Vertrag die Unabhängigkeit nach einem achtjährigen blutigen Krieg, der auf beiden Seiten hohe Verluste forderte.
Bald brachen Machtkämpfe über den politischen Kurs aus, der aber bald damit endete, dass alle Behörden und die verstaatlichte Wirtschaft von der Einheitspartei FLN kontrolliert wurden. 1988 kam es zu schweren sozialen Unruhen. Ursache waren unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot. Eine Demokratisierung wurde eingeleitet und 1989 eine neue demokratische Verfassung, die die Trennung von Partei und Staat, parlamentarische Verantwortung, Pluralismus, politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte vorsah, geschaffen. 1991 kam es bei den ersten freien Wahlen zu einem Putsch des Militärs, aufgrund des drohenden Wahlsieges der islamischen Partei FIS (Front islamique du salut) im zweiten Wahldurchgang. Dies führte zum Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs zwischen radikalen Islamisten und der Armee, dem seither über 120.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zu den Hintergründen siehe auch Hinweise zu Algerien unter Strategie der Spannung.
Nach dem Abflauen des Bürgerkriegs initiierte die Regierung 1999 eine Volksabstimmung über eine Versöhnungspolitik. In dieser Politik wird die ehemalige Einheitspartei FLN bei den Parlamentswahlen 2002 bestätigt.
Im Jahr 2003 mussten die Minister Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar und dem massivem Druck des Gewerkschaftsdachverbands UGTA zurücktreten. UGTA hatte im Februar jenes Jahres - zum zweiten Mal seit Beginn des Jahrzehnts – einen dreitägigen Generalstreik durchgeführt, der sich gegen das Privatisierungsprogramm der Regierung richtete. An dem Streik nahmen über 90 Prozent der Arbeiter teil.
Am 8. April 2004 fand eine erneute Präsidentenwahl statt. Nach einem Wahlkampf, in dem der gesamte Staatsapparat inklusive der staatlichen Massenmedien für eine maßgeschneiderte Darstellung des Präsidenten mobilisiert wurde, ließ Abd al-Asis Bouteflika der 1999 mit Rückendeckung des Militärs gewählt worden war, das absurde Wahlergebnis von 83 Prozent der Stimmen verkünden. Bouteflika ist damit der erste Präsident Algeriens, der ein zweites Mandat erhält. Präsidentschaftskandidat Benflis sprach von Betrug. Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusamenarbeit in Europa sprachen aber von einer fairen Wahl.
Am 1. Mai 2005 kommt es zu einer Regierungsumbildung. Mehrere Minister wurden durch ihre jeweiligen Vorgänger ersetzt, die nun vor allem in Schlüsselpositionen der Wirtschaftspolitik sitzen. Die Modernisierer Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar übernahmen das Finanzressort bzw. das Ministerium für Investitionsförderung. Sie setzen sich für die Privatisierung öffentlicher Betriebe und die Öffnung des Erdöl- und Erdgassektor für private Investitionen ein.
Am 30. September 2005 stimmen die algerischen Wähler für Versöhnung. Bei einem Referendum zur nationalen Versöhnung über die "Charte pour la paix et la réconciliaion nationale" stimmten 97 Prozent der Wähler für den Plan der Regierung von Präsident Bouteflika. Dieser bedeutet eine Amnestie für viele islamische Extremisten. Die Mehrheit der Algerier will einen Schlussstrich unter die Bürgerkiegsära ziehen. Die Opposition, die zu einem Boykott des Volksentscheides aufgerufen hatte, kritisierte die Ergebnisse als Wahlfälschung.
Politik
Die Staatspräsidenten von Algerien (seit 1963)
Algerien hat ein Zwei-Kammern-System, es besteht aus der Nationalen Volksversammlung und einem Oberhaus (Nationalrat).
Provinzen
Der Staat besteht aus 48 Provinzen, genannt Wilaya: Adrar, Ain Defla, Ain Temouchent, Alger, Annaba, Batna, Bechar, Bejaia, Biskra, Blida, Bordj Bou Arreridj, Bouira, Boumerdes, Chlef, Constantine, Djelfa, El Bayadh, El Oued, El Tarf, Ghardaia, Guelma, Illizi, Jijel, Khenchela, Laghouat, Mascara, Medea, Mila, Mostaganem, M'Sila, Naama, Oran, Ouargla, Oum el Bouaghi, Relizane, Saida, Setif, Sidi Bel Abbes, Skikda, Souk Ahras, Tamanghasset, Tebessa, Tiaret, Tindouf, Tipaza, Tissemsilt, Tizi Ouzou, Tlemcen.
Wirtschaft
Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig, wird jedoch allmählich vom produzierenden Gewerbe überholt. Intensive agrarische Nutzung ist nur in den Küsten- und Talebenen der Tellregion möglich. Angebaut werden vor allem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Hülsenfrüchte; in Treibhäusern Frühgemüse für den Export. Im Nahrungsmittelsektor werden weniger als 40 % des Bedarfs durch Eigenproduktion gedeckt.
Algerien ist Mitglied der OPEC. Basis für die Entwicklung waren Erdöl (drittgrößtes Vorkommen Afrikas) und Erdgas in der Sahara. Weitere Rohstoffe sind meist noch nicht erschlossen. Erdöl- und Erdgasverarbeitung machen mehr als 90 % der Exporterlöse aus. Die Öleinnahmen sind teils in Prestigeobjekte investiert worden und teils der Oberschicht zugeflossen. Mit dem Rückgang der Öleinnahmen kam es zu einer Krise, da die Exporterlöse für die Rückzahlung von Auslandsschulden eingesetzt werden mussten.
Liberalisierung schließt die Gefahr politischer Rückschläge ein. Das Verkehrsnetz ist auf Nordalgerien konzentriert. Die Straßen gehen südlich des Atlas meist in Wüstenpisten über. Der Tourismus ist, verglichen mit dem der Nachbarländer, noch wenig entwickelt.
Erdgas
Wirtschaftliche Daten (geschätzte Werte für 2003):
- BIP: 160 Milliarden Euro
- Durchschnittliches Jahreseinkommen je Einwohner: 5000 Euro
- Arbeitslosigkeit: 26,2 %
- Inflationsrate: 3,5 %
- Staatseinnahmen: 21 Milliarden Euro
- Staatsausgaben: 20 Milliarden Euro
- Auslandsverschuldung: 19 Milliarden Euro
- Empfangene Entwicklungshilfe: 150 Millionen Euro
Kultur
Die algerische Literatur ist das arabische Kulturerbe. Allerdings gibt es auch ein Kulturerbe der berberischen Minderheit. Viele berberische Autoren schreiben in Sprache und Schrift der Berber. Dem steht der Arabisierungsgedanke konservativer Kräfte entgegen, weswegen es in den 90er Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, bei denen bekannte berberische Schriftsteller ums Leben kamen. Im Zuge der 2004 angestrebten Parlamentswahlen machte die Regierung Bouteflika den Berbern Zugeständnisse (masierisch an Schulen), die Spannungen dauern jedoch an.(Alexander Wesner, Berlin)
Sport
Bislang konnten vier algerische Sportler bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille erreichen:
# Hassiba Boulmerka - (1992 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen)
# Noureddine Morceli - (1996 - Leichtathletik, 1500 m, Männer)
# Hocine Soltani - (1996 - Boxen, Mittelgewicht 71-75 kg, Männer)
# Nouria Merah-Benida - (2000 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen)
Literatur
- Bernhard Schmid: Algerien - Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamistische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. Münster, 2005. ISBN 3-89771-019-6
- Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien (Nahost-Studien 3, hrsg. von Friedemann Büttner), 284 S., Verlag Hans Schiler, Berlin, 2002, ISBN 3-89930-190-0
- Habib Souaidia: Schmutziger Krieg in Algerien - Bericht eines Ex-Offiziers der Spezialkräfte der Armee (1992-2000), Chronos Verlag, 2001, ISBN 3-0340-0537-7
Weblinks
- [http://www.algerische-botschaft.de/ Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Deutschland]
- [http://algerie.el-annabi.com/ Alle Städte von Algerien]
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Evolution
Evolution (aus dem Lateinischen evolvere = abwickeln, entwickeln) ist das fortlaufende Entstehen neuer und das Wachsen bereits entstandener Muster in Richtung aufsteigender Komplexität und Vernetzung von Bereichen der Wirklichkeit.
Evolution ist eine graduelle, mit ungleichmäßiger Geschwindigkeit ablaufende Veränderung der Häufigkeit von Replikatoren in einem Replikatorenpool im Verlaufe der Zeit. Zu jedem Zeitpunkt setzt sich der Pool anders zusammen als zuvor. Es spielt dabei keine Rolle, welche Replikatoren-Typen dabei beteiligt sind. Im Gegensatz zur Entwicklung entstehen durch die Evolution keine Dinge neu, sie werden nur neu kombiniert.
Der Begriff wurde 1774 von dem Schweizer Naturforscher Albrecht von Haller (1708-1777) für seine Vorstellung von der Entwicklung des Menschen geprägt. Er war der Ansicht, dass die Embryonen bereits im Spermium oder in der Eizelle fertig ausgebildet vorlägen. Diese "Homunculi" (Einzahl Homunculus, vom lat. Diminuitiv für Mensch) enthalten in ihren Keimzellen wiederum kleine Menschen und so weiter bis in alle Unendlichkeit, ähnlich dem Prinzip der russischen Matroschka-Puppen. Antoni van Leeuwenhoek (1623-1723) glaubte, diese Homunculi bei der Beobachtung von Spermien mit seinem Mikroskop bereits gesehen zu haben. Seit der Evolutionstheorie von Charles Darwin nimmt man an, dass die Umgestaltung der Lebewesengemeinschaft (auf der Erde) durch zufällige Mutation und anschließende Selektion geschieht.
Argumente für die Evolutionstheorie finden sich in den Bereichen Anatomie, Morphologie, Homologie, Entwicklungsphysiologie, Paläontologie, Tier- und Pflanzengeologie, Verhaltensbiologie, Parasitologie, Cytologie und Biochemie
Evolution im Allgemeinen
Voraussetzungen der Evolution
Die Evolution ist an drei notwendige Voraussetzungen gebunden. (1) Das Vorhandensein von Replikatoren, (2) eine schwankende Kopiergenauigkeit, Variation genannt, sowie (3) eine unterschiedliche Wahrscheinlichkeit einer jeden Variante, als Element in jene Stichprobe zu gelangen, aus der die nachfolgende Population zusammen gesetzt wird: Selektion.
Diese Voraussetzungen sind hinreichend trivial, sodass man logisch ableiten kann, dass sie an vielen Orten und Gelegenheiten im Universum gegeben sind. Die Ansichten darüber, ob sich Leben daraus entwickeln muss, gehen jedoch weit auseinander. Weitgehend Einigkeit hingegen besteht in der Evolutionsbiologie darüber, dass Evolution nicht zwangsläufig zur Entwicklung von Intelligenz führt, denn diese ist nur ein Spezialfall, der an weitere, vermutlich sehr selten gegebene Bedingungen geknüpft ist. Der einzige Fall, von dem sicher bekannt ist, dass dies dort eintrat, ist unsere Erde. Aber auch hier wurden die Bedingungen der Evolution von Intelligenz erst nach mindestens 530 Millionen Jahren erfüllt, obwohl die fortschreitende Evolution von Vielzellern schon zuvor eine Reihe notwendiger Voraussetzungen für Intelligenzentwicklung bereit stellte.
Die Schwankung von Replikatorenhäufigkeiten in einer Population
Als Evolution bezeichnet man heute allgemein jenen statistischen Vorgang, bei dem die Zusammensetzung einer Replikatoren-Population P2 aus einer Stichprobe einer zuvor bestehenden, anderen Replikatoren-Population P1 bestimmt wird. Wird aus P1 eine Stichprobe unterschiedlicher Replikatoren gezogen und aus ihr die Zusammensetzung von P2 bestimmt, so liegt Evolution vor. Läuft dieser Vorgang wiederholt ab, so weisen spätere Populationen - wie bspw. P5 oder P100 - jeweils schwankende Zusammensetzungen auf. Die Evolution kann auch als kumulierender Stichprobenfehler bezeichnet werden.
Eine evolutionsfähige Population ist eine Menge von Replikatoren. Letztere sind irgendwelche Objekte, von denen Kopien entstehen.
Die Evolution als statistischer Vorgang ist ein logisch und empirisch jederzeit beweisbarer Fakt und in der Wissenschaft nicht bestreitbar. Evolution läuft niemals an Objekten, sondern immer nur an Häufigkeiten von Objekten ab. Er kann grundsätzlich an allen Mengen ablaufen, die nicht einmal den bekannten physikalischen Gesetzen gehorchen müssen. Umstritten war früher nur, ob sich das Leben auf unserer Erde vollständig evolutionär entwickelte, oder ob und welche anderen Gesetzmäßigkeiten dabei eine Rolle spielten (z. B. in der Debatte Evolutionsbiologie vs. Kreationismus, siehe auch Evolutionstheorie).
Verlauf der Evolution auf unserer Erde
Nach der heutigen Auffassung eines Teils der Wissenschaftler verlief die Evolution der Lebewelt, basierend auf der Entwicklung zuvor unbelebter Materie, folgendermaßen:
Schema zu den Entwicklungsstufen der Evolution
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Unterteilung der Evolution der Lebewelt in nachfolgenden vier Stufen sinnvoll, wobei der Ablauf der ersten Stufe keinen evolutionären Gesetzmäßigkeiten unterliegt, aber die physikalischen Grundlagen für deren spätere Wirkung bereit stellt.
Teilbereiche der Evolution
Evolution der unbelebten Materie
Dieses Thema beschäftigt sich mit dem Ursprung und der Entwicklung des Universums, dessen Teilchen und Elementen. Folgende Artikel befassen sich mit der Thematik:
- Evolution der unbelebten Materie
- Kosmologie
Evolution der Lebewelt
Die Evolution der Lebewelt ist jene Evolution, die im Laufe großer Zeitspannen innerhalb der Erdgeschichte die Entstehung und Veränderung der Lebewesen bewirkt. Sie umfasst nicht die Entstehung des Lebens. Näheres zur Biologischen Evolution und zu anderen lebensevolutionären Ansätzen erfahren Sie hier:
- Biologische Evolution
- Evolutionstheorie
- Neodarwinismus
Zur Auseinandersetzung mit nicht-naturwissenschaftlichen Vorstellungen über die biologische Evolution siehe:
- Schöpfungslehre
- Kreationismus
Evolution der Psyche
Unter bestimmten Bedingungen führt die Evolution zu Organismen und Wesen, die Informationen verarbeiten können. Dieser Vorgang wird Evolution der Psyche genannt. Folgende Artikel handeln darüber:
- Evolution der Psyche
- Evolutionäre Psychologie
Evolution der Meme
Aufgrund zahlreicher empirischer Belege glaubt man heute einheitlich, dass die Evolution auf unserem Planeten nicht immer an denselben Replikatoren abgelaufen sein muss. Die Lebewelt, wie wir sie heute kennen, basierte zwar auf weitesten Strecken auf einem chemischen Replikator, der DNA, sie ist jedoch nicht der einzige Replikator. Als weitere Replikatoren erwiesen sich beispielsweise Kristallstrukturen, die ebenfalls Kopien von sich selbst herstellen können. Auch informationstragende Einheiten, die nicht an eine chemische, sondern an eine (bio-)informatische Grundlage gebunden sind, werden als Replikatoren begriffen und wurden von Richard Dawkins 1976 als Meme bezeichnet.
Literatur
- Ernst Mayr, Das ist Evolution C. Bertelsmann, ISBN 3-570-12013-9
- Richard Dawkins, The selfish Gene Oxford University Press 1976
- Klaus Dose, Chemische Evolution und der Ursprung lebender System in Biophysik (Herausgeber: W.Hoppe, W.Lohmann, H.Markl, H.Ziegler), Springer-Verlag, ISBN 35401133552
- Werner Ebeling, Physik der Evolutionsprozesse, Akademie-Verlag, Berlin, ISBN 3055006224
- Hoimar von Ditfurth, Im Anfang war der Wasserstoff Knaur, ISBN 342603395X
- Hoimar von Ditfurth, Der Geist fiel nicht vom Himmel Hoffmann und Campe, ISBN 3455089674
- Werner Schwemmler: Mechanismen der Zellevolution. Grundriß einer modernen Zelltheorie. de Gruyter 1979
- Lothar Kleine-Horst: Evolutionär-psychologische Theorie des Sehens. Auftakt zu einem neuen wissenschaftlichen Weltbild. Köln 1992, ISBN 3-928955-40-3
- Sven P. Thoms: "Ursprung des Lebens" Frankfurt 2005
- Georg Litsche,: Theoretische Anthropologie – Grundzüge einer Rekonstruktion der menschlichen Seinsweise, Berlin 2004
Weblinks
- [http://www.wissenschaft.ag/Evolution.php4 Evolution in der Presse]
- [http://www.willighp.de Die Evolution des Menschen]
- [http://www.wissenschaft.ag/Evolution_des_Menschen.php4 Newsletter: Evolution des Menschen]
- [http://evolution.berkeley.edu/ Understanding Evolution] Hervorragende Seite rund um das Thema Evolution (engl.)
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=10800022 BioCom: Study Overturns Conventional Theory In Evolution] Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Evolution (engl.)
- [http://www.gcf.de/evolution/ Künstlich erzeugte "Evolution"]
- [http://www.evolutionary-research.de/ Evolution@Home - Ein Distributed Computing-Projekt zur Untersuchung der Auswirkungen von Mutationen auf die Entwicklung einer Population]
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Kategorie:Soziologie
Kategorie:Psychologie
Kategorie:Philosophische Anthropologie
ja:進化論
ko:진화 생물학
GottesstaatDie Theokratie (griechisch θεοκρατία, von θεός, theós - Gott und κρατεiν, Krat(e)ía- Herrschaft) ist eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer göttlich erwählten Person, einer Priesterschaft oder sakralen Institution auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird. Ein auf der Theokratie basierender Staat wird auch als Gottesstaat bezeichnet.
Theokratien in der Geschichte
Theokratischen Konzeptionen begegnet man in vielen alten Kulturen bzw. Religionen (Ägypten, China, Japan) und im Islam. Auch das Alte Israel mit seinen 12 Stämmen (der 12-Stämme-Amphiktionie) von circa 1250 v. Chr. bis zum Königtum ab Saul rund 1050 v. Chr. bildete gemäß dem Alten Testament einen Gottesstaat.
Zu einer Fehldeutung kann der Titel der Schrift De civitate Dei ("Vom Gottesstaat") des christlichen Kirchenvaters Augustinus verleiten. Mit civitas Dei ist nicht eine theokratische Verschmelzung von Kirche und Staat, sondern der unsichtbare Herrschaftsbereichs Gottes gemeint, der weder mit der Kirche noch mit dem Staat deckungsgleich ist.
Theokratien in der heutigen Zeit
Ein Beispiel für einen Gottesstaat in der heutigen Zeit ist die 1979 gegründete Islamische Republik Iran, die den Ansprch erhebt, eine Theokratie zu sein.
Auch der Vatikan ist eine Theokratie, da alle Staatsgewalt durch eine (auf Lebenszeit) erwählte Person (Papst) im Namen Gottes ausgeübt wird.
Westliche Staaten strebten seit der Aufklärung eine Trennung zwischen Staat und Religion an (teilweise: Laizismus).
Literatur
Ulrich Enderwitz, Reichtum und Religion, Zweites Buch 2, Erster Band (Der religiöse Kult), Ça ira Verlag, Freiburg, 1991, ISBN 3-924627-27-4 (http://www.reichtum-und-religion.de/relkult/)
Verwandte Themen
- Aufklärung
- Säkularisierung
- Islamische Revolution
- Dominionisten
Kategorie: Staatsform
Kategorie: Politischer Begriff
Kategorie: Religion
Kategorie: Staatsphilosophie
Supreme Council for the Islamic Revolution in IraqDas Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq (SCIRI; arab. المجلس الأعلى للثورة الإسلامية في العراق al-Madschlis al-aʿlā lith-thaura l-islāmiyya fil-ʿIrāq) ist eine irakische Partei. Sie ist eine schiitische Partei und eine der wichtigsten Parteien in der Vereinigten Irakischen Allianz (United Iraqi Alliance [UIA]), einem großen, überwiegend schiitischen Parteienbündnis, das zur irakischen Wahl am 30. Januar 2005 antrat. Das SCIRI ist der größte Block in der UIA.
Das SCIRI wurde 1982 von Großajatollah Muhammad Baqir al-Hakim gegründet und von ihm geführt. Das Hauptziel war der Sturz Saddam Husseins. Die Partei hatte während des Iran-Irak-Krieges ihren Hauptsitz in Teheran und wurde vom Iran als Regierung der "Islamischen Republik Irak" anerkannt. Das SCIRI befürwortete, ähnlich wie Ajatollah Ruhollah Chomeini, einen Gottesstaat, in dem die Macht in der Hand religiöser gelehrter liegt; dies stand im Gegensatz zu der Staatsvorstellung der anderen großen schiitischen Partei Dawa, welche sich einen Staat wünschte, in dem das Volk die Macht hat.
Nach Saddam Husseins Sturz im Jahre 2003 arbeitete das SCIRI eng mit anderen schiitischen Parteien zusammen. Die Parteiführer legten einige ihrer alten Überzeugungen ab und bekannten sich zur Demokratie.
Am 29. August 2003 wurde der Führer der Partei Muhammad Baqir al-Hakim durch eine Autobombe vor der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf getötet. Daraufhin übernahm sein Bruder Ajatollah Abd al-Aziz al-Hakim die Führung der Partei.
Der bewaffnete Arm der Partei ist die Badr-Organization, der schätzungsweise zwischen 4.000 und 10.000 Männer angehören.
Bei den irakischen Wahlen am 30. Januar 2005 errang die Vereinigte Irakische Allianz, der auch das Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq angehörte, mit ca. 4 Millionen Wählern 48,1 % der abgegebenen Stimmen und war somit klarer Wahlsieger.
Einige wichtige Mitglieder der Partei sind unter anderem der stellvertretende Präsident des Irak Adil Abd al-Mahdi, der Innenminister der neuen irakischen Regierung Bayan Baqir Sulagh, der Vorsitzende der Kommission für eine neue irakische Verfassung Hummam Hammudi und der ehemalige stellvertretende Außenminister Hamad al-Bayati.
Kategorie:Irak
Kategorie:Irakische Partei
Kategorie:Muslimische Organisation
ja:イラク・イスラム革命最高評議会
ko:이라크 이슬람혁명최고위원회
Kategorie:RevolutionRevolution ist eine tiefgreifende Veränderung des bisherigen. Sie kann gewaltsam oder gewaltlos, spontan oder prozesshaft verlaufen.
Kategorie:Bewaffneter Konflikt
Kategorie:Politische Bewegung
Kategorie:Marxismus
ja:Category:革命
Kategorie:IranKategorie:Land in Asien
ja:Category:イラン
ko:분류:이란
BMIZkratka BMI má více významů:
- Body mass index – index tělesné hmotnosti, statistický ukazatel míry obezity.
- Březen – měsíc Internetu – akce pro podporu internetové gramotnosti v Česku.
- [http://www.brezen.cz/2005/rubriky/137_0_0.php3 Sdružení BMI] – organizátor akce Březen – měsíc Internetu.
- Broadcast Music Incorporated – americký kolektivní správce autorských práv k hudbě.
Kategorie:Zkratky
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